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Markus Löffelhardt - Architekturfotografie Freiburg
Text aus dem Film: Vita
Studium der Kunstgeschichte, Klassischen Archäologie und Philosophie an der Universität Freiburg. Abschluss mit einer wissenschaftlichen Arbeit zum Thema Siedlungsbau der Moderne.
Anschließend im Rahmen eines dreijährigen Forschungsprojektes zu den Bauhausbauten und anderen Bauten der Moderne bei der Stiftung Bauhaus Dessau. Schwerpunkte der Arbeit waren dort die Bauforschung und Bauaufnahmen am Bauhausgebäude.
Später Übernahme der Leitung und Geschäftsführung bei der denkmalpflegerischen Fortbildungseinrichtung OIKOLOG in Niedersachsen, die in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hannover für Architekten und Kulturwissenschaftler durchgeführt wurde.
Mitherausgeber einer umfangreichen Publikation zu Baudenkmalen in Niedersachsen und jetzt als freier Autor und Fotograf in den Bereichen zeitgenössische Kunst und Architektur tätig.
In jüngster Vergangenheit entstanden vor allem Texte zu aktueller Architektur, die erweiterte Zweitauflage des Freiburger Architekturführers und Ausstellungskataloge für bildende Künstler aus Düsseldorf und München. Darüber hinaus zahlreiche Fotostrecken zur aktuellen Architektur mit Schwerpunkt Freiburg.
Derzeit in Vorbereitung ist eine Publikation zur historischen Architektur Freiburgs von den 1950er Jahren bis heute.
Erzbischhöfliches Archiv
Ungefähr zu der Zeit, vor etwa 800 Jahren, als in Maulbronn ein neuer Sandsteinbruch eröffnet wurde, begannen die Bauarbeiten am Freiburger Münster, das seine Steine freilich aus umliegenden Brüchen bezog. Diese sind heute für das Münster reserviert, weshalb beim Neubau des neuen Erzbischöflichen Archivs auf den ähnlichen Maulbronner Schilfsandstein zurückgegriffen wurde. Schon in der für Freiburg traditionellen Materialwahl wird ein Leitsatz kirchlicher Programmatik manifest: pensamus saeculi - wir denken in Jahrhunderten. Darüber hinaus liegt der Naturstein natürlich auch außerhalb Freiburgs im Trend neuesten Architekturgeschehens.
Die Oberfläche des monolithisch wirkenden Block wird von einer engen Schichtung der Steine bestimmt, die auf historische Schichten und Schichtungen des eingelagerten Archivgutes verweisen soll, dessen Provenienz fast 1000 Jahre zurückreicht. Versprünge der kleinen Sandsteingesimse könnten dabei als Zeichen einer Inhomogenität historischer Prozesse interpretiert werden, die sich schließlich dennoch zu einem klar erfassbaren Gesamtgebilde verdichten. Gleichzeitig gibt die Konvergenz der senkrechten Fugen einen deutlichen Hinweis auf die Verblendungstechnik.
Das in den Baublock wie eingesägt wirkende Gesims nimmt die Bauhöhe der Nachbarbebauung auf.
Spannung erzeugt ein Wechsel der Oberflächenbehandlung des Natursteins im Bereich des Haupteingangs. Hier definiert die gegenüber der übrigen spaltrauhen Fassade fast immateriell wirkende Glättung des Steins einen Hinweis auf die Geschossgliederung und die innen liegende Halle. Durch die Aufnahme des rechten Winkels im Grundriss wird einerseits ein Zurückweichen der Fassade auf den Eingang zu erreicht, andererseits ein Hinweis auf den stumpfwinkligen Gelände- und Gebäudezuschnitt an dieser Ecke gegeben. Als mächtiges, schnörkelloses Portal inszeniert, erinnert der Eingangsbereich an die suggestive Kraft ägyptischer Tempeltore.
Die Raumgliederung ist am Außenbau ablesbar. Die sich zum Schlossbergring öffnenden transluzenten Verglasungen in der glatten Erdgeschosszone markieren die zweigeschossige Eingangshalle, hinter der zum Park hin orientierte Büro- und Technikräume liegen. Darüber stapeln sich in den Stockwerken 3 bis 5 Archivräume. Weiteren Lagerplatz bieten darüber hinaus zwei Untergeschosse, so dass insgesamt 10 Kilometer Regalboden zur Verfügung steht.
Ein Monolith als Fanal gegen die Leichtigkeit und Transparenz des Bauens (Baumeister 11/02). Die Gestaltung versinnbildlicht dabei exzellent die Funktion eines die Jahrhunderte stapelnden Archivbaus in Form eines Tresors und setzt höchste architektonische Maßstäbe, wie man sie bereits vom Sprachkolleg der Erzdiözese kennt. So erfüllt sich eine zweite, vom materiellen abgelöste Bedeutungsebene des pensamus saeculi: Eine Kirche, die wieder als Träger einer Baukultur ersten Ranges auftritt.
Auszug aus: M. Löffelhardt: Architektur in Freiburg. Stadtführer zeitgenössischer Architektur, modo-Verlag Freiburg ISBN: 3-937014-34-9 www.modoverlag.de
Hannes Norberg
Immer gleiches Material.
Dämmstoffplatten unterschiedlicher Stärke.
Zugeschnitten und mit der Walze überfärbt.
Die architektonisch anmutenden Konstruktionen Hannes Norbergs verweisen einerseits deutlich auf das Sujet der Architektur. Architektur, die als Inbegriff und Symbol eines materiell gedachten, vom Menschen entworfenen Beziehungsraumes fungiert. Andererseits wird in der Banalität des immer gleichen homogenen, richtungslosen und instabilen Materials ein bewusstes Desinteresse an der materiellen Dingwelt, der architektonisch-statischen Konstruktion thematisiert.
Feine Diagonalen führen den Betrachter bisweilen in die Tiefe der Bildgründe. Gleichzeitig jedoch wird diese Raumaneignung konterkariert, indem eine flache Staffelung von Tiefenebenen aus dünnen Platten die Räumlichkeit zusammenpresst. Manchmal sind die raumschaffenden Diagonalen auch gänzlich aus den Ansichten verbannt und dadurch fast reine Flächigkeit realisiert, die nur noch durch zarteste Schattenwirkungen der flachen Körper Räumlichkeit erahnen lassen.
Die auf axiale Ansichten reduzierten Raumausschnitte folgen strenger Symmetrie und lassen ein dynamisches Erleben und Begreifen dreidimensionaler Perspektiven nicht zu. Die dazu notwendige Bewegungsfreiheit gefriert in der Axialität eines einzigen Standpunkts. Aus einem Moment scheinbar atemlosen Innehaltens entsteht ein Zustand größter Konzentration.
Größenverhältnisse lassen sich aus den Ansichten ebenso wenig eruieren, wie der Entstehungsprozess oder die verwendeten Materialien. Allenfalls feinste, erst bei längerer Betrachtung auszumachende Spuren handwerklicher Bearbeitung, materieller Textur, seien es Stoßkanten oder Zeichen von farblicher Oberflächenfassung finden sich in den großformatigen Fotos. Materiell-sinnliche Momente werden bewusst auf eine Minimum reduziert. Eine klare Beschränkung auf wenige Bildmittel, mit wenigen Konstanten ergeben ein überschaubares Repertoire an Steuerungsparametern, das dem Künstler das Umsetzen seiner sehr präzisen Bildvorstellungen ermöglicht.
Norberg schöpft sein Formenvokabular aus einer eindeutig klassischen Tradition - Axialität, Symmetrie, strenger Bildaufbau und sensibles Abwägen der Proportion - wie sie auch von den Minimalisten verarbeitet wurde. Der von ihm verwendete Formenkanon lässt beispielsweise die Plastiken Donald Judds assoziieren, offenbart gleichzeitig jedoch gravierende Differenzen: D. Judd: Drei Dimensionen sind wirklicher Raum. Das befreit vom Problem des Illusionismus und des nur bezeichneten Raumes - Raum in und um Markierungen und Farben -, ist Befreiung von einem der hervorstechendsten Relikte europäischer Kunst, einem, gegen das am meisten vorzubringen ist. 1 Judd reduzierte seine Objekte bis zu einem Punkt, an dem keine Verunsicherung mehr stattfinden kann und wollte die Problematik des visuellen Transfers kategorisch ausklammern. In dieser Vorgehensweise kommt die grundsätzlich positive Einstellung dieser Künstlergeneration hinsichtlich ihrer eigenen Fähigkeiten und künstlerischer Potenziale zum Ausdruck.
Norberg will nichts ausklammern, nichts vermeiden, nichts umgehen. Vielmehr stürzt er sich geradezu in den Strudel der Zweifelhaftigkeiten - scheut nicht deren Abgründe. Die Thematik seiner Arbeiten finden sich im Fokus eines heute bestimmenden Misstrauens gegenüber der scheinbar einfachen Konstruktion einer Dualität geistiger Innen- und materieller Außenwelt.
Der Philosoph Gottlob Frege demontierte zu Beginn des 20. Jahrhunderts die über das Visuelle vermittelte Beziehung von Geist und Welt mit seiner in Einfachheit kaum überbietbaren Formulierung: Netzhautbilder können nicht gesehen werden 2. Der radikale Zweifel an allen Sinneseindrücken, wie ihn Descartes hypothetisch formulierte führt bekanntlich in die vollkommene Isolation, zur unüberwindlichen Gefangenschaft in der individuellen Geisteswelt. 3 Frege dagegen stellte lediglich den Mechanismus der Wahrnehmung als fragwürdige Interpretationsleistung des Individuums ihn Frage.
Wo stehen wir heute ?
Die vollkommene Demontage des Vertrauens in das Bild als Abbild, als Verweis auf etwas anderes, wird mit der Erfahrung kontrastiert, dass die inflationäre Bilderflut unserer Tage keineswegs die erwartete Entwertung des Bildes im Sinne eines schwindenden Realitätsgrades nach sich zieht. Im Gegenteil wird immer deutlicher, dass Bilder heute einen Realitätsgrad erreichen, der dem mittelalterlicher Bilderverehrung in nichts nachsteht.
Die Bilder Hannes Norbergs bewegen sich genau in diesem Spannungsraum zwischen Illusionismus und autonomem Bild. Sie sind keine Zufallsprodukte oder Ergebnisse spontaner Gestaltungsideen, keine künstlerischen Schöpfungen in der Art, wie sie Platon einst zu beschreiben versuchte. Im Zustand des Enthusiasmos, also einem irrationalen, der Reflexion nicht mehr zugänglichen Geisteszustand, glaubte der Philosoph jegliches künstlerische Schaffen ansiedeln zu müssen.4 Dass über die Vermittlung von unzuverlässigen Sinnesdaten Erkenntnis entstehen könnte lehnte er kategorisch ab, was ihn wie bekannt in nicht unerhebliche Schwierigkeiten brachte, empfahl er doch anderenorts das Messen, Zählen und Wägen als Mittel, von bloßem Meinen zu Wissen zu gelangen. Seinem nach rationaler Erkenntnis strebendem Geist, der die Sinnesvermittlung generell ablehnt, bleibt schließlich lediglich die Mathematik als Wissenschaft zur Gewinnung unzweifelhafter Erkenntnis. Platon warf damit eine noch heute aktuelle und ungelöste epistemologische Problematik auf.
Die Arbeiten Norbergs dürfen nicht in den Bereich des Irrationalen gedrängt werden, wenngleich dem Künstler solche Impulse kein absolutes Tabu bedeuten.
Der Entstehungsprozess von der ersten Entwurfsidee bis hin zum fertigen Bild wird in präzise reflektierten und konsequenten Prozessen vorangetrieben. Am Anfang stehen unzählige skribbles, lockere Ideenskizzen, die später auf Millimeterpapier gebracht konkretisiert werden. Meist sind geometrische Grundformen Ausgangspunkt der Bildfindung. Proportionen werden abgewogen, Flächen und Farben gegeneinander gestellt. Von dort führt der Weg weiter zum Modell aus industriell gefertigten Dämmplatten, das den komplexen Einflüssen von Licht und Schatten ausgesetzt wird. Flächen werden dabei zerteilt, durch Schattenkanten und Farbmodulierungen die gewünschten Wirkungen präzisiert. Die Fotografie der Komposition und die anschließende Weiterentwicklung ist dabei reines Gestaltungsmittel auf dem Weg zum fertigen Bild. Ein Bild, das nicht als Verweis auf die materielle Konstruktion verstanden werden will, sondern als Endergebnis eines komplexen Entwurfs- und Gestaltungsprozesses. Dazu kommt eine intensive geistige Auseinandersetzung mit den künstlerischen Positionen seiner Zeit - sei es die amerikanische Farbfeldmalerei oder auch jüngere Positionen zeitgenössischer Fotografie - denen sich der Künstler öffnet und die damit einen permanenten inhaltlichen, wie formalen Einfluss auf seine Arbeit ausüben, diese in Frage stellen und Weiterentwicklungen bewirken.
Beim Betrachten der Fotografien ist nicht mehr unmittelbar zu erkennen, dass es sich um Fotografien von gebauten Objekten handelt. Auch mit anderen Mitteln, beispielsweise durch Malerei oder mit Grafikprogrammen ließen sich solche Ansichten generieren. Das bedeutet natürlich nicht, dass hier eine Inszenierung von Sinnestäuschung im Sinne eines Trompe l'œils angestrebt würde. Vielmehr ist die genaue Identifizierung unwichtig geworden. Die Verwendung des Mediums Fotografie stellt für den Künstler die schlüssigste Vorgehensweise dar, da sie der Polarität zwischen Dingwelt und Abbild Rechnung trägt. Das Verlassen der Motivation zur Identifizierbarkeit des Bildes erscheint vor dem Hintergrund eines jahrzehntelangen Bemühens um Exaktheit und Aufrichtigkeit in Bezug auf visuelle Transferleistungen, als bedeutungsvoller Paradigmenwechsel künstlerischer Orientierung. Norbergs Medien werden als Werkzeuge benutzt, um sie einer Vorstellung, einer Bildidee dienstbar zu machen. Die Medien selbst haben dabei keine tiefere Bedeutung mehr, sondern nur dienende Funktion. Impetus ist die Produktion eines Bildes, das den ästhetischen Vorstellungen des Künstlers entspricht. Das Bild steht schließlich vollkommen autonom, ohne auf ein Dahinter verweisen zu wollen. Die Interaktion zwischen Bild und Betrachter wird damit zum zentralen Thema.
Die Bilder folgen strengen, als klassisch zu bezeichnenden Ordnungsschemata und offenbaren sich damit als Geste der Sehnsucht nach Stabilität und Klarheit in einem Kosmos der Ästhetik.
Die Widersprüchlichkeiten, die in den Arbeiten Norbergs virulent werden - einerseits die klare Anspielung und Verwendung einer Bildgrammatik aus der Wahrnehmungsgewohnheit einer dreidimensionalen Körperwelt, andererseits das Ignorieren oder gar die Negation derselben, also das changierende Erlebnis zwischen materieller Dingwelt und metaphysischer Idee, verlaufen auf einem scharfen Grat, der, da sich der Konflikt zumindest auf einer der Rationalität verpflichteten Ebene, nicht lösen lässt, notwendigerweise nur Absturz und Scheitern in Aussicht stellt. Ein unlösbarer Konflikt, der zwischen lebendiger Falschheit und in Lähmung erstarrender Wahrheit gefangen scheint. Diese Widersprüchlichkeiten sollen sich in den idealen Bilderwelten Norbergs auflösen.
Das erzeugte Spannungsfeld beschreibt den Zustand eines zur Selbstbespiegelung verurteilten Geistes, der sich keine Ausflüchte erlauben will.
Die in jüngster Zeit entstehenden Arbeiten Norbergs scheinen den Konflikt zwischen ideeller Vorstellung und materieller Erscheinung weiter verschärfen zu wollen. Plötzlich wird die gewohnte und beruhigend distanzierte Axialität und Symmetrie verlassen, es tauchen Diagonalkompositionen auf. Sperrholzplatten mit wilden, flammigen Holzmaserungen hacken eine krass auf Materielles verweisende Hintergrundsfläche in die sensibel-ideellen Bilderwelten. Ein konsequenter Schritt des Künstlers zur Dramatisierung und Präzisierung seiner künstlerischen Fragestellung.
Karl Rahner Haus
Der Neubau an der Habsburgerstraße vereint drei theologische Institute, die bisher vereinzelt in Freiburg untergebracht waren: Die Institute für Pastorale Bildung und Religionspädagogik und die Studienbegleitung für Studierende der Theologie.
Der Bau wirkt mit seiner scharfen Konturierung im heterogenen Straßenbild in zweierlei Hinsicht als Blickfang. Da ist die enorme plastische Kraft der kubischen Bauvolumina, die sich weit auskragend bis an die Bebauungsgrenzen vorschieben. Und da ist eine Fassadengestaltung mit Klinkern, die zunächst als Second-Hand Werkstoff identifiziert werden könnten.
Tatsächlich stammen die Ziegel von der letzten Torfbrandziegelei Deutschlands in Niedersachsen. Jeder Stein ist ein Unikat; die Außengestaltung entzieht sich damit der öden Präzision von Industrieware und baut starke haptische Qualitäten auf, die ein Begreifen im wörtlichen Sinne nahe legen. In Lebensformen, die sich mehr und mehr in virtuellen Wirklichkeiten verfangen, gewinnt dieses Moment zunehmend an Bedeutung - Bedeutung, die über die bloße Metaphorik weit hinausgeht.
Befremdend wirkt zunächst die Tatsache, dass die Klinker nicht nur an den senkrechten Wänden vermauert sind, sondern auch an den Unterseiten der vorgeschobenen Bauteile weitergeführt werden. Doch der Ziegel ist hier nicht Mauerstein, hat keinerlei statische Aufgaben, sondern wird nur als Gebäudehülle über einem Betonkern verwendet. Insofern ist die eigentliche Funktion des Klinkers konsequent und sinnfällig zum Ausdruck gebracht, wenn diese Hülle den Baukörper allseitig wie eine Haut umspannt.
Im Gegensatz zu der im Lichtspiel flimmernden Dynamik der Klinker sind die Fensteröffnungen in präziser Reihung wie mit dem Skalpell eingeschnitten. Da und dort öffnet sich der Bau dann plötzlich in großflächigen Verglasungen der Umgebung.
Im Inneren wirkt ein Foyer, das sich über drei Stockwerke erstreckt als Zentrum und gleichzeitig als Scharnier zwischen den einzelnen Funktionsbereichen: Individualräume wie Büros und Gästezimmer im langgestreckten Osttrakt entlang der Johanniterstraße, Gruppenräume wie Meditations- und Seminarräume im Gebäudekopf im Westen an der Habsburgerstraße. Ganz oben noch ein großer Saal mit schräg eingesetztem Panoramafenster, das sich dem parallel vorbeiflutenden Verkehr zu verwehren scheint.
Über die Kommunikationsfunktion hinaus kann die große Halle mit ihrer abgestuften Topografie und der eingehängten Treppenskulptur auch als Veranstaltungsbühne dienen.
Und dann ist da noch das eigentliche Zentrum des Hauses: die Kapelle, an der südwestlichen Ecke gelegen, deren Volumen sich von außen genau ablesbar, subtil aus den anderen Kuben herausarbeitet. Mächtige Unterzüge dominieren ihre Deckenkonstruktion und bilden ein monumentales Kreuzzeichen über dem Altarbereich. Ihre statische Funktion ist die Lastaufnahme der Hebelkräfte des weit vorspringenden Kubus an der Habsburgerstraße. Indirektes Licht von oben überflutet den Altarbereich - die Lichtquelle selbst bleibt dem Auge verborgen. Auch zur Straße gewendet gibt es ein Fenster, von der Berliner Künstlerin Hella Santarossa entworfen. Wie anders formuliert wird dieses profane Licht: Bruchstücke aus banalem Gebrauchsglas liegen zwischen Glasscheiben gefangen und häufen sich zu kristallinen Formen - in der Lichtwirkung sicherlich bewusst nicht unähnlich den Lanzettfenstern, die gotische Kirchenschiffe in mystisch farbiges Licht tauchen. Allerdings ist die Wirkung des farbigen Lichts heute nur noch eine ferne Erinnerung an die mystische Geisteswelt jener früheren Epochen. Ambo und Altar sind Entwürfe von Klaus Simon.
Der Bau ist kantig und klar wie der namensgebende Dogmatiker Karl Rahner selbst: Überzeugungsstark und unangepasst.
Auszug aus: M. Löffelhardt: Architektur in Freiburg. Stadtführer zeitgenössischer Architektur, modo-Verlag Freiburg ISBN: 3-937014-34-9 www.modoverlag.de
Landratsamt
Die Messlatte für den Entwurf des neuen Landratsamtes in direkter Gegenüberstellung zum Ursprungsbau von 1956 war vor rund 50 Jahren bereits sehr hoch gelegt worden, gehört der Altbau doch zum Besten, was in Freiburg aus dieser ebenso prägenden wie identitätsstiftenden Anfangszeit unserer Republik noch erhalten ist.
Der Neubau ignoriert die historisch-städtebauliche Situation nicht, sondern tritt in vielfältiger und sensibler Weise in Korrespondenz zu seinem Nachbarn. Er bildet zusammen mit diesem eine spannungsreiche Eingangssituation zum alten Stadtteil Herdern.
Wie der Altbau, präsentiert sich auch das neue Gebäude mit einer Rasterfassade. Und wie damals, ist das Raster auch heute funktional motiviert, wenngleich nicht mehr das statische Skelett, sondern thermisch-energetische Funktionen formbestimmend geworden sind.
Um eine Kernzone als Sichtbetonriegel, der Funktionsräume, Treppen, Lifte und am nördlichen Ende eine kleine Pflanzenoase aufnimmt, öffnen sich sämtliche Büroeinheiten zum Außenraum. Von dort aus tritt der Baukörper als elegant gegliederter Glaskubus in Erscheinung.
Auf einem Grundmodul von 125 cm basierend, entwickelt sich die Fassade als Addition 399 identischer Kastenfenstermodule. Diese stellen einen zentralen Baustein des bewusst auf Lowtech-Niveau gehaltenen gesamten Energiekonzeptes dar und bilden eine intelligente Gebäudehülle, die ebenso einfach wie effektiv auf die verschiedenen an sie gestellten Anforderungen zu reagieren vermag.
Zwischen Tannenholzrahmen spannen sich zwei Ebenen Glas und dazwischen eingefügte Lichtlenkjalousien, die sich elektronisch in die optimale Position richten, aber auch manuell individuellen Wünschen angepasst werden können. Dieses System erbringt neben einer maximalen Einstrahlungsfläche auch eine optimale Steuerung des Lichteinfalls, bei der die bekannten Probleme und Funktionseinschränkungen außenliegenden Sonnenschutzes überwunden werden.
Als Vertikalgliederung zwischen den Kastenfenstern arrangierte Lüftungselemente ermöglichen durch Nachtlüftung des Gebäudes einen wirksamen thermischen Ausgleich, und erbringen mit den großen, innenliegenden Speichermassen auch während der Sommermonate ein angenehm ausgeglichenes Raumklima. Zum Kern der Funktionsräume addieren sich als Klimaspeicher auch Stützen und Decken, die konsequenterweise auch unverkleidet in Sichtbeton belassen wurden. Unterstützend wirkt zusätzlich ein klimaaktiver Putz der leichten Bürozwischenwände. Mit seinen eingeschlossenen Wachsperlen kann überschüssige Wärmeenergie durch Schmelzvorgänge ab 23°C absorbiert werden. Das Energiekonzept mit seiner wartungsfreien Fassade erübrigt künstliche Klimatisierung und reduziert gleichzeitig die Energie- und Unterhaltskosten um ein beachtliches Maß.
Der entlang von Mauerzungen aus Klinkern eingezogene Eingangsbereich reagiert städtebaulich differenziert und bildet mit der dort erhaltenen Linde einen freundlichen kleinen Platz aus.
Das schlanke Fensterformat wechselt hier sinnfällig in die Horizontale und signalisiert damit Weite. Es markiert, begleitet von der herben Materialästhetik der Klinker, den Bereich von Zugang und Foyer, das sich dahinter als lichte Halle über die gesamte Gebäudehöhe entwickelt. Von einer Lichtkuppel überfangen empfängt sie die Besucher mit repräsentativer Geste in freundlich-heller Atmosphäre und schafft gleichzeitig eine transparente Sichtachse zwischen dem baumbestandenen Vorplatz und dem rückwärtigen Park.
Ein an die Halle angeschlossener und ebenerdig mit diesem Park verzahnter Konferenzsaal existiert bisher nur optional in der Planung, da er aus Kostengründen zunächst noch zurückgestellt wurde.
Beim Neubau des Landratsamtes gelang neben einem konstruktiv und energetisch beeidruckenden Ergebnis, auch in ästhetischer Hinsicht, eine erfreulich überzeugende Lösung der Problemstellung.
Trotz selbstbewusstem, eigenständigem Auftreten des Neubaus wird ein ebenso spannendes wie sensibles Verhältnis zur Umgebung aufgebaut und gleichzeitig eine richtungsweisende Neuinterpretation grundlegender architektonischer Ordnungselemente erreicht.
Der Bau war das erste gemeinsame Projekt des Vaters mit seinen beiden Söhnen: Ein vielversprechendes Trio.
Auszug aus: M. Löffelhardt: Architektur in Freiburg. Stadtführer zeitgenössischer Architektur, modo-Verlag Freiburg ISBN: 3-937014-34-9 www.modoverlag.de
Neuapostolische Kirche
Am Ortseingang von Denzlingen empfängt eine kleine, direkt an der Straßenkreuzung gelegene Kirche, die Menschen mit offenen Armen. Wie ein weites Tor öffnet sich die Bauform: Ein steil nach oben strebendes Dach und sich weitende Wände formulieren eine einladende Geste an alle.
Ein ungewöhnliches Grundstück für eine Kirche, gelegen an einer Straßenkreuzung, die keine brauchbaren Fluchten bietet, um einen Neubau daran zu orientieren. Die Architektin schuf der Kirche deshalb einen eigenen Bezugsrahmen. Das Bauensemble ist auf ein Quadrat gestellt, das als Kiesfläche ins Gelände gezeichnet wurde. Diese Kiesinsel stellt einen klaren Begrenzungsmaßstab dar, auf dem die Kirche und ein separat angelehnter Gemeinderaum mit Sakristei in freiem Spiel verschiedener Bau- und Raumvolumina in transparenten Raumentwicklungen entstehen. Es gibt keine klaren, eindeutigen Zuordnungen, sondern jede Fläche, jeder Raum gehört gleichzeitig auch anderen Flächen und Räumen an: Ein regelrechtes Lehrstück für den Begriff der Transparenz in der Architektur.
Eine kleine Brücke spannt sich über den Kies zum leicht erhöhten Bauwerk, das mit niedrigem, zurückspringendem dunklen Sockel über den Steinen schwebt. Wie ein Portal durchschreitet man einen in der Höhe weit gespannten Betonbalken, der trotz einiger Massivität Gemeindehaus und Kirche elegant zusammenbindet und gleichzeitig die Vorderkante des Kiesquadrats wiederholt Die Raumsituation auch hier durch Gleichzeitigkeit geprägt: Innenraum, Außenraum - Zugang und Vorhalle.
Drinnen dann zunächst niedrige, eher lichtarme Enge. Ein Eindruck der beim Betreten des eigentlichen Sakralraumes einer für diese kleinen Dimensionen erstaunlichen Weite weicht. Wände und Decke dehnen sich in Richtung Altar. Der Blick könnte in die Leere laufen, würde er nicht von einer massiven, quadratischen Betonwand aufgefangen, die dem Altar Rückgrat ist, Ruhe und Stabilität verleiht. Umrahmt von bemaltem Glas scheint diese Wand wie ein schwerer Monolith im Licht zu stehen und ist in der Lage, all die von draußen mitgebrachte Unruhe zu absorbieren.
Alles sehr schlicht, einfach und klein. Aber alles in sich stimmig, aus einem Guss. Bis zu den Details hin ist spürbar, dass der Bau aus einer einzigen großen Gestaltungsidee heraus entwickelt wurde. Dabei war es sicherlich keine leichte Aufgabe, sich mit einem Kirchenbau derart kleiner Dimension in fast hautnaher Berührung mit großmaßstäblichem Investorenwohnbau zu behaupten. Der Architektin gelang dies mit einfachsten Mitteln. Sie setzte eine dynamische Form in patiniertem Kupferblech. Und ganz im Gegensatz zur Umgebung stimmt hier einfach alles. Das schafft Aufmerksamkeit und Mitte.
Im Altarbereich des Sakralraums wird der Rahmen des Grundrissquadrats symbolträchtig gesprengt: Das Quadrat kann dabei als Urform für die Ratio gelesen werden. Gleichzeitig verstellt ein Quadrat, nämlich die Betonwand hinter dem Altar, den Zugang zu dem außerhalb der Ratio liegenden Raum, der symbolisch als der irrationale, dem menschlichen Denken nicht zugängliche, göttliche Raum gelesen werden kann. Nur das immaterielle Licht bringt Botschaft aus diesem nicht sichtbaren Bereich.
Auszug aus: M. Löffelhardt: Architektur in Freiburg. Stadtführer zeitgenössischer Architektur, modo-Verlag Freiburg ISBN: 3-937014-34-9 www.modoverlag.de
Schlossbergturm
Einst Burgplatz des Freiburger Gründungsgeschlechts der Zähringer war der Schlossberg, wie auch die Stadt Freiburg, nach dem 30-jährigen Krieg mehrfach heiß umkämpftes Territorium zwischen Frankreich und Habsburg und wurde während der französischen Besatzung vom Festungsbaumeister Vauban nach modernsten fortifikatorischen Erkenntnissen ausgebaut. Nach dem endgültigen Rückzug der Franzosen im Jahre 1744 wurde die Festung geschleift; Die Überreste sind bis heute ein lohnendes Ausflugsziel.
Ganz oben, wo einst das Adlerfort, ein Rückzugsbollwerk der französischen Verteidigungsanlagen, stand, erhebt sich heute ein schlanker Turm, der nicht nur den Punkt des Adlerforts markiert, sondern vor allem eine herrliche Aussicht auf Landschaft und Stadt bietet. Von dort oben aus können auch die ehemaligen Bastionen der Stadt ausgemacht werden. Die Hügel, auf denen sich heute Colombischlössle, Theater oder die Mensa I erheben, lassen noch heute einige Standorte früherer französischer Bastionen erleben.
Die filigrane Stahlkonstruktion des Turms wird von einer der Treppenwindung gegenläufig orientierten Mantelkonstruktion aus Douglasienstämmen umkreist, was eine Torsionsdynamik wie sphärische Wirbel erzeugt. Die Drehung der Stämme wirkt statisch als Stabilisierung gegen Verwindungskräfte. Bewusst wurde die Transparenz des Turms in Gegensatz zur Massivität des ehemaligen Bollwerks gestellt und wächst elegant und natürlich aus dem umgebenden Baumbestand heraus.
...wer den Turm besteigt, der findet in ihm nicht die Geborgenheit eines Wehrturms, sondern erfährt mit jedem Schritt nach oben stärker eine Ausgesetztheit - bis hinauf zum Krähennest über der obersten Plattform, wo jeder Besucher mit sich und dem weiten Blick [...] alleine ist. H.Horbach
Ein Turm der Polaritäten, der Spannungen, ein Bauwerk, das mehr ist als Leiter zu einem Aussichtspunkt, sondern gebautes Zeichen von Sehnsucht, Utopie und Hoffnungen.
Die Freiburger scheinen bis heute leidenschaftliche Turmbauer geblieben zu sein. Wie der Münsterturm einst, ist der Schlossbergturm heute ein Symbol für bürgerschaftliches Engagement. Ausschließlich Spendengelder Freiburger Bürger und Firmen trugen zur Projektfinanzierung bei.
Ein ausgesprochenes Gemeinschaftswerk also, wie auch die Planung selbst, die in enger Kooperation dreier kreativer Köpfe gelang.
Auszug aus: M. Löffelhardt: Architektur in Freiburg. Stadtführer zeitgenössischer Architektur, modo-Verlag Freiburg ISBN: 3-937014-34-9 www.modoverlag.de
Landratsamt Freiburg
Die Messlatte für den Entwurf des neuen Landratsamtes in direkter Gegenüberstellung zum Ursprungsbau von 1956 war vor rund 50 Jahren bereits sehr hoch gelegt worden, gehört der Altbau doch zum Besten, was in Freiburg aus dieser ebenso prägenden wie identitätsstiftenden Anfangszeit unserer Republik noch erhalten ist.
Der Neubau ignoriert die historisch-städtebauliche Situation nicht, sondern tritt in vielfältiger und sensibler Weise in Korrespondenz zu seinem Nachbarn. Er bildet zusammen mit diesem eine spannungsreiche Eingangssituation zum alten Stadtteil Herdern.
Wie der Altbau, präsentiert sich auch das neue Gebäude mit einer Rasterfassade. Und wie damals, ist das Raster auch heute funktional motiviert, wenngleich nicht mehr das statische Skelett, sondern thermisch-energetische Funktionen formbestimmend geworden sind.
Um eine Kernzone als Sichtbetonriegel, der Funktionsräume, Treppen, Lifte und am nördlichen Ende eine kleine Pflanzenoase aufnimmt, öffnen sich sämtliche Büroeinheiten zum Außenraum. Von dort aus tritt der Baukörper als elegant gegliederter Glaskubus in Erscheinung.
Auf einem Grundmodul von 125 cm basierend, entwickelt sich die Fassade.............
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